Readspeaker Menü

Geschichte des Instituts für Technische Chemie und Umweltchemie

Die Geschichte der technischen Chemie an der Universität Jena ist traditionsreich und wechselvoll. Sie ist geprägt durch das Wohlwollen oder Ablehnen, das der technischen Chemie von den heute als "klassisch" bezeichneten Fachrichtungen der Chemie, vertreten durch ihre jeweiligen Lehrstuhlinhaber, entgegengebracht wurde.

Bereits im 18. Jahrhundert kündigte Lorenz Johann Daniel Succow (1722 bis 1801), ein Mathematiker und Physiker, der bereits seit 1756 als erster Nichtmediziner Chemie im Nebenfach las, Vorlesungen in technischer und ökonomischer Chemie an. Am Ende des 18. Jahrhunderts löste sich die Chemie aus der Vormundschaft der Medizin und erhob sich zum eigenständigen Lehrfach.

Als eine der ersten Universitäten in Deutschland erhielt die Jenaer Hohe Schule einen Lehrstuhl für Chemie, den von 1789 bis zu seinem Tode im Jahr 1809 Johann August Friedrich Göttling (1755 bis 1809) innehatte. Er wirkte zunächst als außerordentlicher Professor für Chemie, Technologie und Pharmazie.

Göttling war ein sehr beliebter Hochschullehrer, der sich ständig mühte, seinen Hörern neben der Theorie auch die Praxis nahezubringen. Das zeigte sich in seinen Experimentalvorlesungen, die er mit technologischen Exkursionen in die umliegenden Betriebe bereicherte. In seinen Vorlesungen stützte er sich auf seine eigenen Schriften, die sein vielfältiges Interesse auf seinem Wissenschaftsgebiet zum Ausdruck bringen. So verfaßte er neben anderen das "Elementarbuch der chemischen Experimentierkunst" und ein "Technologisches Handbuch für Künstler, Fabrikanten und Metallurgen" .

Nicht unerwähnt bleiben sollen seine Forschungen auf dem Gebiet der Zuckergewinnung aus Rüben. Er bemühte sich, die Kristallisation des Zuckers im ausgepreßten Rübensaft durch Ausschalten der eiweißhaltigen Saftbestandteile zu optimieren. Leider waren seinen Arbeiten auf diesem Gebiet durch den chronischen Geldmangel des Staatssäckels keine fortdauernden Erfolge beschieden.

Die Bestallung eines Extraordinarius der Jenenser Universität war für die damaligen Verhältnisse nicht gerade hoch, sie betrug etwa 250 bis 300 Reichstaler im Jahr. Zur Aufbesserung seiner Bezüge kam Göttling seine praktische Veranlagung zugute, denn er stellte über einen längeren Zeitraum Bleiweiß fabrikatorisch her.

Als Nachfolger Göttlings wurde 1810 auf den Lehrstuhl für Chemie, Technologie und Pharmazie Johann Wolfgang Döbereiner (1780 bis 1849) berufen. In seiner Person verbanden sich Genialität als Forscher, ein sehr starkes Interesse an technischen Vorgängen und eine hervorragende Lehrbefähigung. Seine Vorlesung umfaßte nicht nur anorganische und organische Experimentalchemie, sondern auch chemische Technologie und pneumatische Chemie, die er mit Ausflügen zu chemischen Fabriken der näheren und weiteren Umgebung seinen Hörern praktisch vor Augen fhrte. Als chemischer Berater des Herzogs Carl August beschäftigte er sich mit Fabrikationsverbesserungen in gewerblichen Betrieben, die sich nutzbringend anwenden ließen. Als Beispiele seien die Einrichtung einer Schwefelsäurefabrik, die Gewinnung und Verwertung von Indigo anstelle des Färberwaids, die Zuckerherstellung aus Stärke und Errichtung einer Zuckerfabrik in Tieffurth zur Zeit der Kontinentalsperre und die Herstellung von Essigsäure nach dem Schnellessigverfahren durch Oxidation von Alkohol erwähnt. Auf Anregung Goethes und des Großherzogs unternahm er Versuche zur Gaserzeugung für Beleuchtungszwecke, dabei fand er, "daß Kohle und Wasser bei ihrer Wechselwirkung in hoher Temperatur das wohlfeilste und reinste Feuergas ergeben." Somit war Döbereiner das später für die chemische Industrie so bedeutende Wassergas bereits bekannt. Er setzte seine Experimente zur Gaserzeugung fort, bis ihn eine Explosion ermahnte "den Versuch durch öftere Wiederholung, im kleinen und unter veränderten Umständen angestellt, erst zur Reife zu bringen, bevor derselbe im großen unternommen und geprüft werde".

Gemeinsam mit dem Hofmechaniker Friedrich Körner versuchte er sich in dessen Glashütte in der Herstellung von brauchbarem optischen Glas. Die Entdeckung des Platins als Katalysator und die Erkenntnis der technischen Bedeutung dieser Entdeckung hat in vielen seiner wissenschaftlichen Werke ihren Niederschlag gefunden. Am bekanntesten ist sicherlich das heute noch als Rarität vertriebene Döbereiner-Feuerzeug, das die Flamme durch autokatalytische Entzündung von Wasserstoff an Platinmohr erzeugt. Bereits 1828 trat Döbereiner, wahrscheinlich auch auf Grund der beengten Verhältnisse im damaligen chemischen Laboratorium, für den Bau einer technisch-chemischen Anstalt ein.

Nach dem Tode Döbereiners wurde sein Lehrstuhl nicht sofort wieder besetzt. Seine direkte Nachfolge als Leiter des chemischen Laboratoriums trat Heinrich Wilhelm Wackenroder (1798 bis 1854) an, dessen Betätigungsfeld auf pharmazeutischem Gebiet lag. Er führte das chemische Laboratorium deshalb auch als pharmazeutisch-chemisches Laboratorium weiter.

Im Jahre 1862 wurde Eduard Reichardt (1827 bis 1891), ein Assistent Wackenroders, als außerordentlicher Professor für Agriculturchemie nach Jena berufen.

In den letzten Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts begann in Deutschland ein großes wirtschaftliches Wachstum, das alle industriellen Bereiche erfaßte. Auch die chemische Großindustrie war an diesem Aufschwung beteiligt. Aus diesem Grund mußten an die Abgänger der Universitäten und Hochschulen, die in der Industrie Beschäftigung suchten und auch dringend benötigt wurden, neue Anforderungen hinsichtlich ihrer Ausbildung auf technischem Gebiet gestellt werden. Vor allem die Universitäten konnten diesen neuen Forderungen nach technischer Ausbildung nicht genügen, weil sie weder über geeignete Einrichtungen noch über technisch versierte Lehrkräfte verfügten. Da die Diskrepanz zwischen Industrie und Universitäten auf diesem Gebiet immer spürbarer wurde, sandte der Verein deutscher Chemiker e.V. um 1900 ein Rundschreiben an alle deutschen Universitäten, in dem er die Einrichtung technisch-chemischer Lehrstühle und Institute dringend empfahl. Dieses Ansinnen wurde von Carl Duisberg (1861 bis 1935) unterstützt, der bereits 1897 auf die bestehenden Probleme hingewiesen hatte.

Duisberg hatte in Jena Chemie studiert und im Jahr 1882 hier promoviert. 1899 wurde er Direktor bei Bayer-Leverkusen und später Aufsichtsratsvorsitzender der IG Farbenindustrie. Sein Name besaß bedeutendes Gewicht in deutschen Wissenschaftskreisen, so daß sein Aufruf auch nicht ungehört verhallte.

Als erste Universität in Deutschland kam Göttingen dieser Forderung mit der Gründung eines technisch-chemischen Institutes nach.

Auch in Jena war man durch das Aufstreben der Zeiss-Werke und die hier ansässige Glasindustrie mit der dargestellten Problematik bestens vertraut. In dem damaligen Ordinarius der Chemie und Vorstand des chemischen Laboratoriums Ludwig Knorr (1859 bis 1921) fand das Anliegen des Vereins deutscher Chemiker daher einen der wärmsten Fürsprecher. Gemeinsam mit der Carl-Zeiss-Stiftung in Person von Otto Schott (1851 bis 1935) betrieb er die Einsetzung eines außerordentlichen Professors für technische Chemie und die Gründung eines technisch-chemischen Institutes. Die Anfangsfinanzierung für die geplante Einrichtung übernahm die Carl-Zeiss-Stiftung in Höhe von 50.000 Mark. Als geeignete Persönlichkeit für den neu zu schaffenden Lehrstuhl an der philosophischen Fakultät wurde Eduard Vongerichten (1852 bis 1930) vorgeschlagen, der sowohl L. Knorr aus gemeinsamen wissenschaftlichen Arbeiten als auch O. Schott bekannt war.

Vongerichten hatte sich 1875 in Erlangen habilitiert und war von 1882 an zunächst als Mitarbeiter, später als Prokurist und Vorstand der wissenschaftlichen Forschungslaboratorien der Höchster Farbwerke tätig. Seine Arbeiten lagen auf dem Gebiet der Farbstoffchemie und der Erforschung der Struktur der Alkaloide. Im Jahr 1893 ließ er sich als Privatgelehrter in Straßburg nieder und betrieb gleichzeitig ein eigenes Versuchslabor. Von dort wurde er im Mai 1902 auf den Lehrstuhl für technische Chemie in Jena berufen.

Vongerichten war ein vielseitiger Lehrer, der auch die Tradition der Exkursionen zu Chemie-Betrieben in der näheren und weiteren Umgebung wieder aufleben ließ. In seinen Vorlesungen konzentrierte er sich auf chemische Technologie der anorganischen und organischen Großindustrie, bot aber auch Vorlesungen über Teerfarbstoffe, Färberei- und Druckereikurse und Praktika unter Berücksichtung technisch-chemischer Problemstellungen an.

Nach dem Tode Gutbiers wurde der seit 1925 im chemischen Laboratorium als Assistent tätige Herbert Brintzinger stellvertretender Vorstand der anorganischen Abteilung. Im Jahr 1927 erhielt er seine Zulassung als Privatdozent für anorganische und physikalische Chemie und kündigte erstmals Vorlesungen an. Er wurde 1933 außerordentlicher Titularprofessor und 1938 außerordentlicher Professor.

Brintzinger hatte an der Technischen Hochschule Stuttgart studiert und war deshalb von Haus aus eigentlich Ingenieur. Seine Arbeiten lagen auf elektrochemischem Gebiet. Im Wintersemester 1929/30 übernahm er erstmals die Vorlesung über anorganische technische Chemie. Seit 1934 führte er Seminare zur technischen Chemie gemeinsam mit dem Assistenten des chemischen Laboratoriums Karl Maurer durch.

In seinen Forschungsarbeitungen beschäftigte er sich mehr und mehr mit technischen Fragestellungen. Aus diesem Grund regte er auch die Wiedereinrichtung eines Institutes für technische Chemie an. Auch in diesem Fall wurde die Carl-Zeiss-Stiftung um Unterstützung gebeten, die das von ihr erworbene Gebäude Oberer Philosophenweg 62 (heute Ricarda-Huch-Weg 16) zur Verfügung stellte. Im Jahr 1939 fand die Eröffnung des Laboratoriums für technische Chemie statt. Als Direktor und Vorstand war Prof. Brintzinger benannt.

Im Jahr 1942 erfolgte die Umbennenung des chemisch-technischen Laboratoriums in Institut für technische Chemie. Zu diesem Zeitpunkt beschäftigte das Institut 14 wissenschaftliche Mitarbeiter und 5 Laboranten bei einem jährlichen Haushaltsetat von 2200 Reichsmark. Infolge kriegswichtiger Forschungsarbeiten beantragte Brintzinger noch im gleichen Jahr eine Erhöhung der Haushaltsmittel auf 6000 bis 8000 Reichsmark und beabsichtigte, weitere 10 Mitarbeiter einzustellen.

Anfang Mai 1945 nahmen die amerikanischen Truppen Jena ein. Noch im Mai evakuierten sie Wissenschaftler, die mit kriegswichtigen Forschungsarbeiten betraut und deshalb vom Wehrdienst in der deutschen Armee befreit waren, unter Mitnahme von Einrichtungsgegenständen aus wissenschaftlichen Laboratorien nach Heidenheim in Baden-Württemberg.

Unter den Weggeführten befand sich auch der Direktor des Institutes für technische Chemie, Herbert Brintzinger. Zusätzlich beschlagnahmten die Amerikaner die Bibliothek und die bewegliche Einrichtung des Institutes im Gesamtwert von 38.000 Reichsmark.

Nachdem im Juni 1945 die sowjetischen Truppen Thüringen und auch Jena besetzt hatten, begann neben den baulichen Aufräumungsarbeiten auch die ideologische Umgestaltung der Universität und dazu gehörte die politische Reinigung des Lehrkörpers, die im Vorfeld der Wiedereröffnung der Universität am 15. Oktober 1945 durchgeführt wurde.

Die sowjetische Militäradministratur vertrat die Ansicht, daß technische Chemie im derzeitigen Umfang in Jena nicht betrieben werden sollte und stellte auch die Einordnung der technischen Chemie als Prüfungsfach in Frage. Der durch die Abwesenheit Prof. Brintzingers verwaiste Lehrstuhl wurde somit vorerst nicht wieder besetzt und die Leitung des Institutes für technische Chemie kommissarisch den Herren Ernst Kordes, Professor für physikalische Chemie, (geb. 1900), und Oskar Keller, Professor für Pharmazie, übergeben.

Trotz des Widerstandes des Assistenten Dr. Pfannstiel wurden im Frühjahr 1946 die Räumlichkeiten des Institutes erneut zum Nachteil der technischen Chemie vergeben. Im Erdgeschoß erhielt das Institut für anorganische Chemie unter Franz Hein (1892 bis 1976) mehrere Arbeitsräume, ein großes Labor und der Raum hinter dem Hörsaal blieben der technischen Chemie. Der gesamte 1. Stock fiel an die physikalische Chemie und Prof. Kordes fungierte auch als "Hausherr". Im 2. Stock teilten sich die Mitarbeiter der technischen Chemie und die Diplomanden und Doktoranden Prof. Kellers in die Arbeitsplätze.

Erst 1947/48 beschäftigte man sich an der mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät, nicht zuletzt wegen der Befürwortung durch Prof. Hein, mit der Frage der Wiederbesetzung des Lehrstuhles für technische Chemie. Zu diesem Zeitpunkt war die technische Chemie als Lehrfach bestätigt und die Professur im Stellenplan der Universität ausgewiesen. Zur Berufung vorgeschlagen wurde Prof. Leopold Wolf, Leipzig, der als einziger in der sowjetischen Besatzungszone wohnende chemische Technologe von Rang galt. Prof. Wolf nahm im Juni 1948 die Berufung an und traf auch kurze Zeit später zu einer Besichtigung des verbliebenen Institutes für technische Chemie ein.

Die Universitätsverwaltung verzögerte aus verschiedenen Gründen die Einstellung Wolfs, der sich in mehreren Schreiben an den Dekan darüber beklagte und auf baldige Klärung der Angelegenheit drängte. Nachdem im Frühjahr 1949 die Berufung immer noch nicht endgültig war, trat Wolf von seiner bereits gegebenen Zusage aus familiären Gründen zurück .

Erst im Jahr 1952 erfolgte die Neubesetzung des Lehrstuhles für technische Chemie mit der Berufung von Alfred Rieche (geb. 1902), der gleichzeitig Direktor des Institutes für technische Chemie wurde. Die Forschungsarbeiten Rieches bezogen sich auf Modellversuche zur Einwirkung von Luftsauerstoff auf natürliche und synthetische Stoffe, die zu seinen grundlegenden Arbeiten über organische Peroxide und Ozonreaktionen führten.

Alfred Rieche hatte bereits 1933 die wissenschaftliche Leitung des Laboratoriums der Zwischenproduktenabteilung der Farbenfabrik Wolfen übernommen und war zudem 1937 als außerordentlicher Professor an die Universität Leipzig berufen worden. Diese Tätigkeit nahm er 1951 nach einem fünfjährigen Arbeitsaufenthalt in der Sowjetunion wieder auf. Kurzzeitig nahm er einen Lehrauftrag an der Universität Halle wahr, ehe er dem Ruf nach Jena Folge leistete. Seinen Wohnsitz hatte er allerdings nie in Jena, sondern kam in regelmäßigen Abständen erst aus Wolfen und später aus Berlin, weil er 1955 auch zum Professor für technische Chemie an die Humboldt-Universität Berlin berufen wurde. Darüberhinaus war er Direktor des Institutes für organische Chemie der Akademie der Wissenschaften in Berlin, wo seine pharmazeutischen Untersuchungen in breiterem Rahmen fortgesetzt wurden.

Im Jahr 1967 erfolgte die Emeritierung Alfred Rieches.

Im Jahr 1965 schlossen das Mineralölwerk Lützkendorf und die FSU Jena einen Rahmenvertrag über die weitere wissenschaftliche Zusammenarbeit ab, der auf der bereits bestehenden Forschungskooperation aufbaute und die formelle Basis für die Zusammenarbeit bei der studentischen Ausbildung bildete.

Im Mineralölwerk wurde eine Abteilung für angewandte physikalische Chemie unter der Leitung Gerhard Keils gebildet, der ausschließlich Mitarbeiter des Forschungsbereiches des Mineralölwerkes angehörten, die in der Folge auf der Grundlage von Lehraufträgen nebenamtlich vielfältige Lehrverpflichtungen für die Universität übernahmen.

So begannen die Jahre, in denen Jenaer Chemiestudenten ihr theoretisches Wissen während eines Betriebspraktikums im Mineralölwerk in der Praxis testen konnten.

Als 1967 aus dem Institut für technische Chemie und dem Bereich Glaschemie das Institut für technische und Glaschemie gegründet wurde, erfolgte die Überführung der Abteilung für angewandte physikalische Chemie im Mineralölwerk in den Verantwortungsbereich dieses Institutes, obwohl damit kein räumlicher Umzug nach Jena verbunden war.

Ein Jahr später wurde die technische Chemie als Institution an der Universität aufgelöst und existierte bis 1979 nur noch als Lehrbereich, dessen Verpflichtungen nebenamtliche Mitarbeiter aus Lützkendorf wahrnahmen.

Das gesamte Gebäude der technischen Chemie im Ricarda-Huch-Weg wurde von da ab nur noch vom Wissenschaftsbereich Glaschemie genutzt, der im Zuge der Sektionsgründung 1968 aus dem Institut für technische und Glaschemie hervorging.

1971 verließ Gerhard Keil die Jenaer Universität und übernahm den Fachbereich Chemie der Akademie der Wissenschaften der DDR in Berlin. Ihm folgte Günter Jäger (geb.1933), ein Schüler Heinz Dunkens, Leiter einer Forschungsabteilung des Mineralölwerkes Lützkendorf, nach.

Mit der Berufung G. Jägers 1979 auf den Lehrstuhl für technische Chemie erfolgte zugleich die Gründung des Wissenschaftsbereiches technische Chemie der Sektion Chemie der FSU als Außenstelle in Lützkendorf mit anfänglich zwei wissenschaftlichen Mitarbeitern und einer Laborantin. Damit begann der völlige Neuaufbau der technischen Chemie an der Universität. Der neue Wissenschaftsbereich vergrößerte sich sehr rasch und 1982 erfolgte der Umzug nach Jena. In Lützkendorf verblieb eine personell stark reduzierte Außenstelle bis 1990.

Im Frühjahr 1985 wurde dann der Grundstein für ein neues Laborgebäude mit angeschlossener Technikumshalle für die kleintechnische Produktion von Feinchemikalien und die Durchführung kleintechnischer Pilotverfahren gelegt, um die Überführung neuentwickelter Synthesemethoden in die industrielle Praxis zu beschleunigen. Die Fertigstellung des Laborgebäudes und seine Inbetriebnahme durch den Wissenschaftsbereich technische Chemie und Chemietechnikum erfolgte im Frühjahr 1987, die Technikumshalle wurde 1988 übergeben. Der Mitarbeiterstab wuchs auf 40 Personen einschließlich Ingenieure und technische Kräfte an.

Die Arbeiten im geplanten Sinnne wurden bis in das Jahr 1990 durchgeführt. An Produkten wurde z.B. PCO II B, ein thermisch stabiler Plast, hochreine Metalloxide für Laseranwendungen, ein strahlenfestes Schmieröl u.a. bearbeitet.

Das von Prof. Jäger geleitete Institut hatte zu diesem Zeitpunkt etwa 50 Mitarbeiter. Ein weiterer Hochschullehrer, Gerd Hopf, leitete das Technikum.

Im Zuge des Neuaufbaus der Universität schieden 1991 G. Hopf und 1993 G. Jäger aus.

1992-97 Übernahme der Institutsleitung durch Günter Kreisel. Gleichzeitig beginnt an der Chemisch-Geowissenschaftlichen Fakultät der Studiengang "Umweltchemie" unter maßgeblicher Beteiligung des ITC. Eine Reihe von neuen Lehrangeboten wurde in das Ausbildungsprogramm aufgenommen. Die Forschung wurde auf Umweltaspekte ausgerichtet.

In diesen Zeitraum, wurde befristet auf 5 Jahre, ein Teil der Institutsräume der MPG-Arbeitsgruppe CO2-Chemie (bis 1996) überlassen.

1997 erfolgte Berufung von Bernd Ondruschka zum ordentlichen Professor für Technische Chemie und Umweltchemie.

Seit 1. April 1999 heißt das Institut, Institut für Technische Chemie und Umweltchemie.

Zum 1. April 2012 trat Herr Prof. Dr. Günter Kreisel in den Ruhestand.

Zum 1. Oktober 2012 trat Herr Prof. Dr. Bernd Ondruschka in den Ruhestand.

Seit dem 1. Oktober 2012 hat das Dekanat der Chemisch-Geowissenschaftlichen Fakultät die komissarische Leitung des Institutes.

Mit Beginn des Sommersemesters 2013 erfolgte die Berufung von Herrn Dr. Michael Stelter für den LS Technische Umweltchemie.

Mit Beginn des Sommersemesters 2015 erfolgte die Berufung von Herrn Dr. Philipp Adelhelm für den LS Kohlenstoffnanomaterialien.

Zum 1. Juni 2016 erfolgte die Berufung von Herrn Prof. Dr. Andrea Balducci für den LS Angewandte Elektrochemie.