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Absolventenporträts Chemie

Hier berichten einige unserer Absolventen aus dem Bereich der Chemie über ihre berufliche Karriere nach dem Studium. Wir freuen uns über weitere Erfahrungsberichte! Bei Interesse wenden Sie sich einfach per E-Mail an Claudia Hilbert ().

Daniel Raabe... arbeitet am Thüringischen Institut für Textil- und Kunststoff-Forschung in Rudolstadt

Daniel Raabe stammt aus dem Eichsfeld in Thüringen. Er absolvierte sein Bachelorstudium 2014 in der Fachrichtung Biogeowissenschaften an der Friedrich-Schiller-Universität und wechselte für das Masterstudium in die Chemie mit der Vertiefung in Umweltchemie. Direkt nach dem Masterabschluss gelang ihm der Berufseinstieg. Seitdem arbeitet er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Thüringischen Institut für Textil- und Kunststoff-Forschung in Rudolstadt.

Daniel Raabe an seinem Arbeitsplatz am TTIK Rudolstadt. Foto: privat

Daniel Raabe
Foto: privat

Was ist Ihre aktuelle Tätigkeit?
Nach der erfolgreichen Beendigung meines Masterstudienganges in der Umweltchemie bekam ich eine Anstellung am Thüringischen Institut für Textil- und Kunststoff-Forschung e.V. (TITK e.V.) in Rudolstadt. Als Wissenschaftlicher Mitarbeiter besteht meine Aufgabe in der Optimierung und Entwicklung von analytischen Methoden. Weiterhin ist die Wartung und Pflege der verschiedenen Messgeräte, bspw. eines Gaschromatographen, ein Teil meiner täglichen Arbeit. Die Realisierung von analytischen Fragestellungen im Forschungs- sowie im Dienstleistungsbereich sind weiterer Bestandteil.
Als ein aktuelles Anwendungsbeispiel sei hier die Integration von Thermodesorption gekoppelt mit einem Gaschromatographen und einem Massenspektrometer zu nennen, bei der es um die Analytik von flüchtigen organischen Bestandteilen aus Kunststoffen geht. Dabei werden die zu untersuchenden Substanzen aus den Produkten thermisch desorbiert und anschließend analysiert. Weiterhin werden verschiedenste Bedarfsgegenstände, Spielzeug, Kunststoffe oder Textilien auf ihre Zusammensetzung und eventuell vorhandene Störstoffe untersucht, damit ein sicherer Umgang des Verbrauchers mit diesen Materialien gewährleistet ist.


Wie hilft Ihnen das Studium in Ihrem Berufsleben? Welche der Fähigkeiten, die Sie im Studium gelernt haben, können Sie jetzt anwenden?
Durch das Studium bekam ich direkt nach meinem Abitur eine gewisse Selbstständigkeit, die einerseits im Studium unabdingbar war und die mir im jetzigen Berufsstart hilfreich ist. Durch die naturwissenschaftliche Grundausbildung durch den Bachelor und auch die Vertiefung im Master sind mir wesentliche Theorien und Praktiken bekannt. Auch die beiden Abschlussarbeiten sowie verschiedenen Projekte, an denen ich mitarbeiten durfte, und auch Anstellungen als Hilfskraft, u.a. am Max-Planck-Institut für Biogeochemie, sicherten meine Ausbildung durch die praktischen Erfahrungen ab.
Meine Masterarbeit schrieb ich an der Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie und untersuchte dabei Fließgewässer in Thüringen auf neue organische Mikroschadstoffe. Dabei bekam ich einen sehr guten Einblick in die Vorgänge von großen Laboratorien und den entsprechenden Qualitätssicherungsmaßnahmen.


In der Chemie schließen die meisten nach ihrem Masterstudium noch eine Promotion an. Warum haben Sie sich gegen eine Promotion entschieden und wie lief der Berufseinstieg für Sie?
Die Wahl einer direkten Anstellung nach dem Studium und nicht der Weg einer Promotion fiel mir relativ leicht. Die Gegebenheiten um eine Promotionsstelle waren mir durch das Studium bereits bekannt. Auch ein Vorstellungsgespräch auf eine Promotionsstelle hielt mich davon ab. Hier wurde ich direkt im Gespräch darauf hingewiesen, das ich mehr als 60 Stunden die Woche für die Arbeit aufbringen muss, dafür aber nur nach einer Halbtagsstelle bezahlt werde.
Weiterhin finde ich, dass das Wissen nach dem Master bereits sehr umfassend ist und eine Promotionsstelle nur die Vertiefung in eine ganz bestimmte Thematik liefert und somit ist eine Stelle in einer Führungsposition bereits mit einem Masterstudium möglich. Eine Doktorstelle bringt meines Erachtens in der heutigen Zeit keine Vorteile gegenüber einem Masterabschluss mehr, um schneller eine Anstellung zu finden.
Ein weiterer Aspekt war, dass ich gerne in meiner Heimat Thüringen bleiben wollte und die Chance mit einem Doktor in einer eher wirtschaftsschwachen Region einen gesicherten und schnellen Berufsstart hinzubekommen, eher gering ist. Bei der Jobsuche fiel mir auch immer wieder auf, dass Stellenausschreibungen sowohl an Promovierte, wie auch an Masteranden ging und daher die Differenz zwischen diesen beiden Abschlüssen in vielen Einrichtungen nicht mehr groß ist.
Natürlich war dieser Weg auch nicht einfach. Neben einigen direkten Absagen wurde ich auch zu mehreren Vorstellungsgesprächen eingeladen und bekam schließlich eine Anstellung als Wissenschaftler mit den von mir persönlich gestellten Zielen.


Warum haben Sie sich damals für ein Chemie-Studium entschieden und warum für Jena?
Nach meinem Bachelorstudium der Biogeowissenschaften, welches mir einen sehr guten Einblick in die Naturwissenschaften gab und mir eine sehr gute Ausbildung in Labor und auf dem Feld ermöglichte, entschied ich mich für den Wechsel zur Chemie an der FSU Jena. Die Entscheidung traf ich, da dieser Studiengang die Umweltanalytik und den Bereich der Ökotoxikologie sehr gut abdeckte. Ein Wechsel fiel mir auch deshalb leicht, da ich weiter in Jena bleiben konnte.
Für Jena hab ich mich damals im Bachelor entschieden, da ich auf der Suche nach einem passenden Studiengang in der Recherche auf Jena gekommen bin, der Verlaufsplan des Studiums ansprechend klang und ich die Anbindung an meine Heimat und an meine Freunde, die größtenteils alle in Thüringen studierten, aufrecht erhalten konnte. Weiterhin ist Jena eine junge, dynamische Stadt mit kurzen Wegen ins Grüne und einer gut ausgebauten Infrastruktur für Reisen in der vorlesungsfreien Zeit.


Welche Voraussetzung sollte man für ein Chemie-Studium Ihrer Meinung nach mitbringen? Haben Sie ein Tipp für Schüler, die sich für ein Chemie-Studium interessieren, aber noch unsicher sind?
Als Voraussetzung für ein Chemie-Studium sollte an erster Stelle die Begeisterung für Naturwissenschaften stehen. Vorhandene Kenntnisse über grundlegende Vorgänge in der Natur helfen im Studium komplexe Vorgänge besser zu verstehen. So sollten Chemie, Physik und Biologie Spaß machen und auch das praktische Arbeiten sollte einem liegen.
Wenn Unsicherheit besteht, ob Chemie das Richtige für einen ist, stellt ein Praktikum immer den besten Weg dar, um dies herauszufinden. Zahlreiche Labore, darunter auch das TITK e.V. bieten solche Plätze an.

 

Dr. Maximilian Bräutigam... arbeitet bei der Gesellschaft Deutscher Chemiker

Dr. Maximilian Bräutigam hat an der Universität Jena von Oktober 2005 bis Januar 2011 Chemie auf Diplom studiert. Anschließend promovierte er von 2011 bis 2015 in Jena. Jetzt arbeitet er in der Geschäftsstelle der Gesellschaft Deutscher Chemiker in Frankfurt am Main. Dort betreut er u.a. die Ortsverbände und Regionalforen des JungChemikerForums und kümmert sich ums Mitgliedermarketing.

 Porträt von Dr. Maximilian Bräutigam, Chemie-Absolvent der Universität Jena. Foto: Fotostudio Ebenbild
Dr. Maximilian Bräutigam
Foto: Fotostudio Ebenbild Jena

Wo arbeiten Sie jetzt und was ist Ihre Tätigkeit?
Nach der Promotion habe ich unmittelbar bei der Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V. (GDCh) begonnen zu arbeiten und so mein Hobby zum Beruf gemacht, denn ich war schon als Student ehrenamtlich im JungChemikerForum (JCF) der GDCh engagiert. Meine Aufgaben könnten vielfältiger kaum sein: Ich bin Ansprechpartner für unsere Aktiven in den Ortsverbänden und in den JCF-Regionalforen, redigiere und schreibe für unser Mitgliedermagazin Nachrichten aus der Chemie, verantworte Projekte zum Mitgliedermarketing und zur IT, organisiere Veranstaltungen und bin Mitglied in verschiedenen Kommissionen.


Wie hilft Ihnen das Studium in Ihrem Berufsleben?
Ich weiß, wie Chemikerinnen und Chemiker ticken, kenne ihren Leidensweg durchs Studium, die Forschungslandschaft und aktuelle Trends. Das hilft vor allem in der täglichen Kommunikation mit den Mitgliedern der GDCh, die fast alle ein universitäres Studium absolvierten oder noch studieren. Ich habe am eigenen Leib erfahren, wie schwer die erste Publikation zu schreiben ist. Heute organisiere ich Veranstaltungen in Kooperation mit Wiley-VCH, dem Verlag der GDCh, in denen wir jungen Wissenschaftlern Tipps und Tricks geben für ihre Veröffentlichungen.


Wie lief der Berufseinstieg für Sie?
Die Promotion ist in meinen Augen erlässlich: Ich habe Kommilitonen, die nach dem Diplom angefangen haben, in der Industrie zu arbeiten und damit glücklich sind. Und ich kenne promovierte Chemiker, die nur aus Mangel an Alternativen promovierten, was das System ad absurdum führt. Ich persönlich habe die Promotion als Herausforderung angesehen, der ich mich stellen wollte. Aber der Berufseinstieg danach gestaltete sich zäh. Mutmaßlich beeindruckte mein sehr akademisches Promotionsthema in der Industrie nicht, wobei ich immer mit einem Job außerhalb der Industrie liebäugelte. Die mich für die GDCh qualifizierenden Fähigkeiten habe ich aber während meines Engagements zu Promotionszeiten erlernt - daher möchte ich diesen Lebensabschnitt nicht missen.


Warum haben Sie sich damals für ein Chemie-Studium entschieden und warum für Jena?
Nach meinem Besuch von mathematisch-naturwissenschaftlichen Spezialklassen in der Schule, vielen spannenden Experimenten im Unterricht und den Leistungskursen Mathematik und Chemie war das Chemie-Studium prädestiniert. Etwas anderes habe ich nie ernstlich erwogen.
Die Uni Jena wurde mir von einem Freund älteren Semesters empfohlen: Das gute Betreuungsverhältnis von akademischem Mittelbau zu Studenten, die vielen Praktika und die schöne Stadt überzeugten.


Welches Ereignis Ihrer Studienzeit ist Ihnen in besonders guter Erinnerung geblieben?
Ich habe meine schlechtesten und meine besten Vorlesungen in Physikalischer Chemie gehört. Die besten waren allerdings so überragend, dass ich mich schon früh auf die Physikalische Chemie spezialisierte.
Eine besondere Veranstaltung, die mir als Teil des Organisationskomitees wirklich alles abverlangte, war das JCF-Frühjahrssymposium 2014, bei dem sich mehr als 300 junge Wissenschaftler aus aller Welt im kleinen Jena für drei Tage trafen. Weiterhin blicke ich voller Stolz und mit einem Grinsen auf den Lippen auf die von unserer Matrikel organisierten Höhepunkte zurück: das Bergfest, die Faschingsvorlesung, den Umtrunk in der Rose und den Chemikerball.


Welche Voraussetzung sollte man für ein Chemie-Studium Ihrer Meinung nach mitbringen? Haben Sie einen Tipp für aktuelle Chemie-Studierende oder auch für Schüler, die sich für ein Chemie-Studium interessieren, aber noch unsicher sind?
Die wichtigsten Voraussetzungen sind Durchhaltevermögen und ein profundes Interesse an der Chemie. Die meisten Studenten meiner Matrikel scheiterten an Ermangelung einer dieser Eigenschaften. Entweder ihnen war es zu anstrengend oder sie hatten wirklich keinen Schimmer von Chemie. Kleine Anekdote: Einer dieser Kurzzeit-Chemiestudenten ging nach zwei Wochen der ersten Grundvorlesung in Anorganischer Chemie zum Professor und fragte: "Geht das jetzt immer so weiter? So viel Chemie gibt es doch gar nicht." - welch absurde Fehleinschätzung.


Mein Tipp an alle Chemie-Studenten:
Meist fehlt zum Berufseinstieg ein potentes Netzwerk mit Wirtschaftskontakten. Darum muss sich jeder selbst bemühen - vom ersten Tag an.

Dr. Marco Körner... arbeitet in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit an der Leopoldina und als freier Wissenschaftsautor

Dr. Marco Körner hat von 2004-2009 an der Friedrich-Schiller-Universität Jena Chemie auf Diplom studiert und anschließend an der TU Darmstadt promoviert. Inzwischen arbeitet er in der Abteilung für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina in Halle (Saale). Außerdem ist er freier Wissenschaftsautor und Blogger. Er betreibt den Blog "Der Chemische Reporter".

 Porträt von Dr. Marco Körner. Foto: Foto-Studio Hirch
Dr. Marco Körner
Foto: Foto-Studio Hirch Darmstadt

Wo arbeiten Sie jetzt und was ist Ihre Tätigkeit?
Ich arbeite derzeit an der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina, Halle (Saale), Abteilung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. In meiner hauptberuflichen Arbeit beschäftige ich mich mit verschiedenen Bereichen der Presse- und Öffentlichkeit. Unter anderem pflege und erweitere ich die Website der Leopoldina, bearbeite die Profile der Akademie-Mitglieder und erstelle Nachrichten. Im Vorfeld von Veröffentlichungen und Veranstaltungen der Akademie entwerfe ich Pressemitteilungen und wirke vor Ort bei der Betreuung der Journalisten mit.

Nebenberuflich arbeite ich als freier Wissenschaftsautor und Blogger. Auf meiner Website "Der Chemische Reporter" (http://chemreporter.de) veröffentliche ich regelmäßig Meldungen aus der chemischen Forschung und vermittle einem breiten Publikum wie Chemie funktioniert und wo sie uns überall im Alltag begegnet. Besonders wichtig ist es mir, mit dem Vorurteil aufzuräumen, dass "Chemie" und "Natur" voneinander verschieden wären.


Wie hilft Ihnen das Studium in Ihrem Berufsleben?
Das Studium hat mir ermöglicht, zu verstehen, wie Wissenschaft arbeitet. Durch die Chemie als "zentrale Naturwissenschaft" habe ich außerdem einen guten Bezug sowohl zu physikalischen Themen als auch zu den Biowissenschaften. Wenn es darum geht, wissenschaftliche Zusammenhänge an die Presse und Öffentlichkeit zu vermitteln, hilft mir meine Erfahrung aus der Forschungspraxis deshalb sehr.


Wie lief der Berufseinstieg für Sie?
Ich wusste tatsächlich sehr spät, was ich "mal werden möchte". Ich habe Chemie studiert weil mich das Fach seit jeher fasziniert hat, und natürlich weil es auch beruflich viele Chancen bietet. Die Promotion war für mich persönlich unerlässlich, da ich unbedingt forschen wollte.

Während der Post-Doc-Phase entdeckte ich meine Leidenschaft dafür, Wissenschaft anderen verständlich zu machen. Gerade gegenüber der Chemie gibt es viele Vorurteile und Ängste in der Gesellschaft, die ich aktiv abbauen möchte. Meiner Ansicht nach fehlt es vor allem in der Chemie an engagierten Wissenschaftlern, die sich für ein besseres Image ihrer Wissenschaft einsetzen. Deshalb entschied ich mich, die Wissenschaftskommunikation als Karriereweg einzuschlagen.


Warum haben Sie sich damals für ein Chemie-Studium entschieden und warum für Jena?
Ich habe viel Freude daran, Neues zu lernen. Schon seit meiner Kindheit habe ich mich für Chemie interessiert, hatte aber nach dem Abitur zunächst eine Ausbildung zum Chemikanten gemacht, um finanziell unabhängig zu sein. Für ein Studium hatte ich mich dann trotzdem entschieden, weil ich nach der Ausbildung und einem Jahr Berufspraxis noch viel mehr über das Fach lernen wollte. Ich liebe es vor allem, im Labor "in Handarbeit" völlig neue Substanzen herzustellen und dadurch wissenschaftliche Fragestellungen zu beantworten.

Für Jena hatte ich mich entschieden, weil die Stadt nicht zu weit entfernt war und die Chemie dort einen sehr guten Ruf hat.


Welches Ereignis Ihrer Studienzeit ist Ihnen in besonders guter Erinnerung geblieben?
Die interessanteste Anekdote ist wahrscheinlich, wie es mich ausgerechnet in die Physikalische Chemie verschlagen hat. Ich kann nur wenig mit physikalischen Formeln anfangen - lieber arbeite ich in der Synthesechemie, wo man tatsächlich am Ende etwas in der Hand hat. Aufgrund meines Unverständnisses gegenüber der Physikochemie stellte ich in den Vorlesungen und den Seminaren viele, offenbar auch schwierige Fragen. Als ich während des Hauptstudiums dann ein Forschungspraktikum in Physikalischer Chemie machen musste, fand ich dort zu meinem großen Glück eine Arbeitsgruppe, in der Peptide synthetisiert und untersucht wurden. Peptide hatten mich schon immer gereizt und der Professor kannte mich auch schon aus seinen Vorlesungen. So kam eines zum anderen. Letztendlich promovierte ich dann sogar in Physikalischer Chemie.


Welche Voraussetzung sollte man für ein Chemie-Studium Ihrer Meinung nach mitbringen? Haben Sie einen Tipp für aktuelle Chemie-Studierende oder auch für Schüler, die sich für ein Chemie-Studium interessieren, aber noch unsicher sind?
Das wichtigste sind Durchhaltevermögen und Leidenschaft für das Fach. Das Arbeitspensum im Chemiestudium ist sehr hoch, gleichzeitig sind Fehlschläge an der Tagesordnung - sei es, dass ein Versuch im Praktikum nicht gelingen will, oder dass man durch eine Klausur fällt. Das kann sehr anstrengend sein, aber davon sollte man sich nicht entmutigen lassen. Das Beste am Chemiestudium ist aber, dass es sehr divers ist und für jeden eine Nische bietet.


 

Dr. Lars Böttcher... ist Geschäftsführer der Chemiewerk Bad Köstritz GmbH

Dr. Lars Böttcher studierte von 1993-1999 (mit Unterbrechung 10/1994-9/1995 Bundeswehr) an der Universität Jena Chemie auf Diplom. Danach folgte von 1999-2003 die Promotion am Institut für Anorganische und Analytische Chemie in der Arbeitsgruppe "Metallorganische Chemie und Katalyse" von Prof. Dr. Dirk Walther. Nach der Promotion wechselte er in die Wirtschaft; seit April 2017 ist er Geschäftsführer der Chemiewerk Bad Köstritz GmbH.

 Porträtfoto von Dr. Lars Böttcher. Foto: Jürgen Scheere
Dr. Lars Böttcher
Foto: Jürgen Scheere

Wo arbeiten Sie jetzt und was ist Ihre Tätigkeit?
Seit 1.4.2017 Geschäftsführer der Chemiewerk Bad Köstritz GmbH, Leitung des Gesamtunternehmens


Wie hilft Ihnen das Studium in Ihrem Berufsleben?
Es ist hilfreich für das Verständnis der eigenen Produkte/Prozesse als auch der Kunden sowie bei der Entwicklung neuer Produkte.

Solides chemisches Fachwissen war wichtig für den Einstieg im Unternehmen als Produktionsleiter. In meiner Uni-Zeit habe ich zumindest ansatzweise den Umgang mit Mitarbeitern durch die Betreuung von Studenten und Diplomanden während der Promotion sowie die Fähigkeit zur Problemlösung und die analytische Herangehensweise an Fragestellungen gelernt.


Wie lief der Berufseinstieg für Sie? Wann wussten Sie, in welchem Bereich der Chemie Sie arbeiten möchten?
Der Übergang von einem Labor an der Uni in die "rauhe" Umgebung eines produzierenden Betriebes war nicht einfach. Während man sich während der Promotion in "Ruhe" einem Thema widmen kann, wird man hier tagtäglich mit vielen kleinen und großen Problemen ganz unterschiedlicher Herkunft konfrontiert. Das reicht von Produktions- oder Qualitätsproblemen über betriebswirtschaftliche Themen bis zu den Sorgen und Nöten der Mitarbeiter über beispielsweise den Zustand der Sozialbereiche.

Ausschlaggebend war weniger der Bereich der Chemie als die Möglichkeit in der Region zu bleiben und die Perspektiven.

Aus meiner Sicht ist eine Promotion sehr wichtig. Aus der Erfahrung heraus finden nicht-promovierte Chemiker deutlich schlechter eine Anstellung und dann meist zu ungünstigeren Konditionen als die Kollegen mit Promotion. Gerade in großen Chemieunternehmen bekommen Sie ohne Promotion oft keine Chance zum Einstieg oder die Entwicklungsmöglichkeiten sind stark eingeschränkt. Nicht zuletzt reift man während der Promotionszeit persönlich und lernt, wenn auch in untergeordnetem Maße, erste Grundlagen im Umgang mit Mitarbeitern.


Warum haben Sie sich damals für ein Chemie-Studium entschieden und warum für Jena?

Die Entscheidung für Chemie fiel schon während der Schulzeit, in Klasse 9 oder 10. Chemie hatte mir immer Spaß gemacht und mich vor allem interessiert. Die Berufsaussichten waren damals eher schlecht, was sich auch in den niedrigen Immatrikulationszahlen damals bemerkbar gemacht hat. Im ersten Studienjahr waren wir kaum 30 Studenten, davon blieben am Ende keine 20 mehr übrig.

Das familiäre Umfeld in der chemischen Fakultät und Jena als attraktive Studentenstadt waren für die Wahl des Studienortes ausschlaggebend.


Welches Ereignis Ihrer Studienzeit ist Ihnen in besonders guter Erinnerung geblieben?
Unvergessen sind sicherlich die vielen Feiern und Feste, das Bergfest auf der Leuchtenburg und der Chemikerball. Wir waren damals ein recht fröhliches Matrikel, neben dem Studium war immer etwas los.

Aus dem Organik-Grundpraktikum fällt mir die Geschichte ein, wie mein Labornachbar einen Stoff mit einem Schmelzpunkt um 30 °C destillieren sollte. Damit dieser nicht im Kühler auskristallisiert, hatte er diesen mit dicken Lagen Zellstoff umwickelt. Als es dann trotzdem zur Kristallisation kam, versuchte er das Ganze mit dem Bunsenbrenner anzuwärmen. Natürlich stand der Zellstoff sofort in Flammen und Dr. Werrmann, unser damaliger Oberassistent, war dem Herzanfall nahe.


Welche Voraussetzung sollte man für ein Chemie-Studium Ihrer Meinung nach mitbringen? Haben Sie einen Tipp für aktuelle Chemie-Studierende oder auch für Schüler, die sich für ein Chemie-Studium interessieren, aber noch unsicher sind?
Zuallererst sollte man Interesse an Chemie haben, ebenso sind Physik und Mathematik gerade in den ersten Jahren sehr wichtig. Und nicht zu vergessen ist ein gutes Maß an praktischem Geschick, da die Laborpraktika ja einen hohen Stellenwert haben. Wer sich noch unsicher ist, ob ein Chemie-Studium das Richtige ist, dem würde ich ein Praktikum in einem Chemielabor empfehlen, auch wenn es im späteren Berufsleben nicht immer bei der Labortätigkeit bleiben wird oder kann.


Außerdem:
Auch wenn es schon eine Weile her ist, denke ich gerne an die Zeit in Jena zurück und möchte mich bei allen Freunden, Studienkollegen, den Assistenten und Professoren für die gute Zeit bedanken. Vor allen anderen bei meinem Doktorvater Prof. Dirk Walther und Fr. Dr. Heike Schreer.

 

 

Christoph Hörenz... arbeitet als Post-Doc an der Aalto Universität Helsinki/Espoo

Christoph Hörenz hat von 2017-2012 in Jena Chemie studiert und mit dem Diplom abgeschlossen. Danach promovierte er in der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Felix Schacher. Nach dem erfolgreichen Abschluss der Promotion im Jahr 2016 wechselte er an die Aalto Universität Helsinki/Espoo in Finnland, wo er im Bereich der Polymerchemie forscht.

 Porträtfoto von Dr. Christoph Hörenz. Foto: privat
Dr. Christoph Hörenz
Foto: privat

Wo arbeiten Sie jetzt und was ist Ihre Tätigkeit?
Seit Februar 2017 arbeite ich als Forscher in der Gruppe von Prof. Ikkala an der Aalto Universität Helsinki/Espoo in Finnland. Allgemein gesagt, beschäftige ich mich mit der Synthese biomimetischer Materialien. Dies sind Stoffe, die die Fähigkeiten oder Eigenschaften von Vorbildern aus der Natur imitieren sollen. Mein Fokus liegt auf der Synthese maßgeschneiderter Polymere, die in Kombination mit Tonmineralien (Clays), Nanocellulose oder Metallnanopartikeln Materialien generieren, deren mechanische Eigenschaften denen von Muschelschalen oder auch Spinnenseide das Wasser reichen können. Dafür verbringe ich viel Zeit im Labor, aber auch Literaturrecherchen und der Austausch mit Kollegen und Kooperationspartnern steht oft auf der Tagesordnung. Weiterhin bin ich für die Organisation unserer Arbeitsgruppenseminare zuständig und Mitverantwortlicher für die Arbeitssicherheit in unserem Institut.


Wie hilft Ihnen das Studium in Ihrem Berufsleben?
Mein Chemiestudium verschafft mir ein breites Fundament an Basiswissen und grundlegenden Arbeitstechniken aus allen Bereichen der Chemie, die ich für meine Forschung jeden Tag brauche. Genauso helfen mir die weiterführenden Kenntnisse, die ich während der Promotion erlangt habe. Abgesehen vom Wissen selbst, sind aber auch Fähigkeiten wie das sebstbestimmte Arbeiten, das Wegstecken von Rückschlägen (von 10 Experimenten gehen meistens 9 schief) und das Sammeln und Erlangen neuen Wissens ungemein wichtige Hilfsmittel, die man während des Chemiestudiums und auch der Promotion zwangsläufig erlernt.


Wie lief der Berufseinstieg für Sie? Wann wussten Sie, in welchem Bereich der Chemie Sie arbeiten möchten?
Da ich momentan eine befristete Stelle innehabe und nach Ablauf meines Vertrages keine weitere universitäre Laufbahn anstrebe, kann man streng genommen noch nicht von einem "Berufseinstieg" sprechen. Der Wechsel von einer Doktorandenstelle auf eine Postdoktorandenstelle ist, mal abgesehen vom höheren Gehalt, keine große Umstellung. Das Forschungsthema mag ein anderes sein, aber die grundlegenden Aufgaben und Arbeitsabläufe bleiben die gleichen. Natürlich ist ein Umzug ins Ausland, weg von Familie und Freunden, immer ein großer Schritt, aber ich wurde von meinen neuen Kollegen freundlichst aufgenommen, was mir den Umstieg erheblich erleichtert hat.

Dass ich einmal als promovierter Chemiker im Gebiet der Polymerchemie landen würde, war für mich bis kurz vor der Diplomarbeit ehrlich gesagt ziemlich unvorstellbar. Aber manchmal läuft eben alles anders als man denkt. Rückblickend bin ich sehr dankbar, dass ich die Möglichkeit erhalten habe, meine Promotion ohne größere Probleme zu absolvieren. Meine Kollegen/Freunde und das wissenschaftliche Umfeld haben einen beachtlichen Teil dazu beigetragen.


Warum haben Sie sich damals für ein Chemie-Studium entschieden und warum für Jena?
Die Entscheidung, Chemie zu studieren habe ich relativ kurzfristig getroffen. Nach Abitur und Zivildienst hatte ich entschieden, mich für den NC-begrenzten Studiengang Pharmazie bei der ZVS zu bewerben. Das Interesse resultierte hauptsächlich aus Spaß am Schulfach Chemie. Allerdings (und das ist mir bis heute peinlich) habe ich die Bewerbungsfrist verpasst, weil die für Altabiturienten eher endete als für Leute, die frisch vom Abitur kamen. Nun ja, letztendlich habe ich mich dann für ein Chemiestudium eingeschrieben und es absolut nicht bereut. =)

Die Universität Jena war für mich prädestiniert, da ich in Jena geboren und in der Umgebung aufgewachsen bin und außerdem zu dieser Zeit keinen Drang hatte, die Heimat für ein Studium zu verlassen.


Welches Ereignis Ihrer Studienzeit ist Ihnen in besonders guter Erinnerung geblieben?
Ich habe unzählige schöne und lustige Erinnerungen an die Studienzeit, seien es Erlebnisse aus den Praktika, Vorlesungen oder auch den Feiern mit Freunden und Kommilitonen. Eine der besten Erfahrungen war sicher der Chemikerball. Eine so große Veranstaltung mit Kommilitonen zu organisieren und durchzuführen und im Nachhinein durchweg positives Feedback zu bekommen, war ein Erlebnis, das man so schnell kein zweites Mal haben wird. Ich bin begeistert, dass sich diese Tradition bis heute gehalten hat und hoffe, dass sie noch lange weiter bestehen wird.


Welche Voraussetzung sollte man für ein Chemie-Studium Ihrer Meinung nach mitbringen? Haben Sie einen Tipp für aktuelle Chemie-Studierende oder auch für Schüler, die sich für ein Chemie-Studium interessieren, aber noch unsicher sind?
Ich denke, zuallererst sollte man Spaß am Fach Chemie mitbringen. Solide bis gute Kenntnisse in Mathe und Physik sind vielleicht nicht zwangsläufig nötig, aber auf jeden Fall hilfreich, vor allem im Hinblick auf die jeweiligen Vorlesungen zu Beginn des Studiums. Auch ein wenig Interesse in Biologie schadet sicher nicht. Im Hinblick auf die vielen Laborpraktika sind zwei linke Hände sicher nicht hilfreich, aber mit Konzentration und Training sollte dem beizukommen sein. Abgesehen von den fachlichen Dingen ist definitiv Durchhaltevermögen gefragt. Ein Chemiestudium ist ein Full-Time-Job und nichts, was man mal eben nebenbei erledigt. Ich möchte aber auch anfügen: Mit Freude an Chemie, Willenskraft und vor allem ein paar guten Freunden unter den Kommilitonen kann man dem Stress des Studiums ziemlich gut entgegenwirken. Als Belohnung winkt ein Abschluss, der meiner Meinung nach relativ zukunftssicher ist und auch von Nicht-Chemikern durchaus respektiert wird.