Aktuelle Erdbebenaktivität im Vogtland: TSN beobachtet anhaltenden Schwarm bei Luby und Kraslice

Im Vogtland wird seit dem 20. November ein Erdbebenschwarm registriert. Die Ereignisse konzentrieren sich derzeit auf den Raum Luby–Kraslice und erreichen Magnituden bis etwa 2.7. Mehrere Beben wurden in angrenzenden Teilen Sachsens, Bayerns und Thüringens schwach verspürt.

Das Thüringer Seismologische Netz (TSN) registriert seit einigen Wochen einen Erdbebenschwarm im Vogtland, der sich in den letzten Tagen verstärkt hat. Am 20. November begann die Erdbebenaktivität im tschechischen Ort Luby, rund 70 km südlich von Gera. Entlang einer rund ein Kilometer langen, Nord-Süd verlaufenden Störung, kam es in den Folgetagen zu hunderten Erdbeben. Die stärksten dieser Erdbeben wurden in angrenzenden Teilen von Sachsen und Bayern schwach verspürt. Typischerweise gehen diese kleinen Erdbeben mit einem deutlichen Grollen einher, das durch die Übertragung der sehr hochfrequenten Erdbebenwellen auf die Atmosphäre entsteht. Dieses Grollen wurde beim Erdbeben der Lokalmagnitude 2.4 um 23:11 Uhr am 20. November auch noch vereinzelt im Saale-Orla-Kreis vernommen.

In den Folgetagen verlagerte sich die Erdbebentätigkeit von Luby ausgehend an umliegende Orte. Zu einer kleinen Schwarmsequenz kam es in Novy Kostel. Ab dem 1. Dezember setzte die Erdbebenaktivität im nördlicher gelegenen Kraslice ein, die sich bis heute fortsetzt und sich stetig steigerte. Zu den ersten für Menschen wahrnehmbaren Erdbeben kam es hier am 5. Dezember. Am Abend des 6. ereignete sich das erste Beben mit Magnitude 2.0, das auch durch spürbare Erschütterungen im Oberen Vogtland wahrgenommen wurde.

Vom 7. bis zum 9. Dezember nahm die Erdbebenaktivität stetig zu. Es kam zu zahlreichen Erdbeben, die in umliegenden Orten verspürt wurden. Die bisher stärksten Beben folgten am 10. und 11. Dezember. Vor allem die beiden Erdbeben am 11. um 00:39 Uhr und 00:44 Uhr, für welche das TSN Magnitude 2.7 und 2.6 ermittelte, wurden verbreitet im sächsischen Vogtland, im westlichen Erzgebirge, im Fichtelgebirge und der nördlichen Oberpfalz in Form schwacher Erschütterungen und eines deutlichen Grollens verspürt. Auch in Teilen Thüringens könnten diese Beben vereinzelt verspürt worden sein, vor allem rund um Greiz und Schleiz.

Die vollständigen Erdbebenauswertungen mit allen manuell georteten Erdbeben finden Sie unter dem folgenden Link: Erdbebenkatalog des Seismologie-Verbund MitteldeutschlandExterner Link

Zeit und Magnitude manuell georteter Erdbeben in Luby, Kraslice und Novy Kostel.

Abbildung: Jens Skapski

Der Erdbebenschwarm bei Kraslice ist weiterhin aktiv, am Donnerstagmorgen (11. Dezember) aber aktuell ruhiger als in den Vortagen. Dennoch ist eine erneute Zunahme der Aktivität mit weiteren wahrnehmbaren Erdbeben jederzeit möglich.

Erdbebenschwärme im Vogtland entstehen durch Fluide, die ausgehend von einer tief liegenden magmatischen Quelle durch die Erdkruste aufsteigen. Fluide (Wasser und Gase) wirken wie Schmiermittel und bringen die Erdkruste ins Rutschen. Je mehr Fluide, umso mehr Druck ist im System und umso mehr und stärker können die Schwarmbeben werden. Solche Erdbebenschwärme treten in unterschiedlicher Größe und Ausprägung immer wieder auf und werden im Vogtland seit Jahrhunderten beobachtet. Meist dauern sie mehrere Wochen an und stellen in der Regel keine Gefahr für Menschen oder Eigentum dar. Nur in seltenen Fällen, so wie zuletzt 1985 und 1908, können sie so stark werden, dass es nahe des Epizentrums zu Schäden an Gebäuden kommen kann. Erdbebenschwärme sind - wie Erdbeben generell - nicht vorhersehbar und es lässt sich nicht abschätzen, wie sich die Situation in den nächsten Tagen verhält.

Räumliche Verteilung der Schwarmbeben um Luby, Kraslice und Novy Kostel.

Abbildung: Jens Skapski